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Die FFP2-Maskenpflicht ist sinnvoll – aber nur, wenn wirklich alle Zugang zu den teuren Masken bekommen

Vorstoß in Bayern
Die FFP2-Maskenpflicht ist sinnvoll – aber nur, wenn wirklich alle Zugang zu den teuren Masken bekommen

Eine FFP2-Maske liegt auf einem Tisch

Eine FFP2-Maske

© Markus Winkler / Pexels

Ab Montag dürfen Menschen in Bayern nur noch mit FFP2-Masken Bus und Bahn fahren oder in Supermärkten einkaufen. Mit ihnen schützt man nicht nur andere, sondern auch sich selbst vor dem Coronavirus. Dennoch ist das keine rundum gute Idee, denn der Plan ist nicht zu Ende gedacht.

Es gibt derzeit wenige Dinge, für die man noch zwingend das Haus verlassen muss. Das Einkaufen von Lebensmitteln gehört dazu – und für viele Menschen auch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, um zur Arbeit oder zu wichtigen Terminen zu kommen. Und genau an diesen Orten, wo noch immer viele Menschen aufeinandertreffen, schreibt die bayrische Landesregierung ab Montag das Tragen einer FFP2-Maske vor.

Ein handelt sich dabei um einen Versuch, die noch immer viel zu hohen Corona-Zahlen endlich zu senken. Denn mit FFP2-Masken werden, im Unterschied zu Stoffmasken, nicht nur die Umstehenden, sondern wird auch der Träger selbst vor Aerosolen und Tröpfchen geschützt. Also eigentlich eine super Sache. Wenn es nicht so verflixt schwierig wäre, an bezahlbare FFP2-Masken zu kommen – und wenn man voraussetzen könnte, dass auch jeder damit umzugehen weiß.

Wie kommt man an hochwertige FFP2-Masken?

Vor einer Weile habe ich selbst – vor einer Zugfahrt, die ich später dann doch abgeblasen habe – im Internet nach den Masken gesucht. Und bin schon bald verzagt: In den Bewertungen auf den bekannten Shopping-Portalen war immer wieder die Rede von entweder fehlenden oder offensichtlich gefälschten Prüfsiegeln und zweifelhafter Herkunft. Für FFP2-Masken namhafter Hersteller zahlt man dann allerdings um die 40 Euro für zehn Stück, 70 Euro für 20. Und das für Produkte, die maximal acht Stunden getragen werden sollen.

Teuer. Der Plan, jedem Menschen über 60 Jahren und Risikogruppen unbürokratisch kostenlose FFP2-Masken zur Verfügung zu stellen, sorgte im Dezember in Apotheken für Chaos. Im Januar sollten die Berechtigten nun Gutscheine von ihren Krankenkassen bekommen. Für 15 Masken. Doch der Versand der Gutscheine laufe bisher schleppend, heißt es. Und überhaupt: 15 Masken? Wer aktuell noch täglich zur Arbeit muss, dem reicht der Vorrat nicht lange.

Bedürftige geraten in eine verzweifelte Lage

Der wichtigste Punkt: Was ist mit jenen, die nicht zu Risikogruppen gehören, jünger als 60 sind, aber wenig Geld haben? Alleinerziehende, Hartz-IV-Empfänger, Geringverdiener, Auszubildende oder Studenten? 70 Euro für 20 Masken, das ist für Menschen mit geringem Einkommen ein enorm hoher Betrag. Zu welchem Problem das führen wird, schrieb kürzlich schon Autorin Kathrin Weßling auf Twitter:

FFP2-Masken sind ausdrücklich Einwegartikel, auch wenn sich die acht Stunden Tragezeit auf mehrere kurze Zeiten aufteilen lassen. Man kann sie notdürftig desinfizieren – im Netz finden sich Anleitungen, wie das mit einem Reiskocher oder im Backofen machbar ist. Aber empfehlenswert ist das nicht. Wer gewissenhaft sein will, wirft also nach acht Stunden in der Außenwelt fünf Euro in die Mülltonne. Wer sich das nicht leisten kann, trägt eine kontaminierte und somit völlig nutzlose FFP2-Maske einen Monat lang – damit er vermeintlich dem Gesetz Folge leisten kann. Nicht, weil man ein Risiko eingehen will, sondern weil es schlicht nicht anders möglich ist.

Hartz-IV-Regelsatz ist nicht ausreichend

Im Hartz-IV-Regelsatz sind pro Monat 17 Euro für medizinische Anschaffungen vorgesehen. Abgesehen davon, dass man von diesem Geld auch mal Aspirin, Pflaster und Hustensaft kaufen muss, bekäme man für 17 Euro gerade mal fünf Masken. Unter diesen Umständen ist eine FFP2-Maskenpflicht wortwörtlich untragbar für viele.

Nach lautstarkem Protest von Sozialverbänden und aus anderen Parteien hat Markus Söder (CSU) nun immerhin eingelenkt und verspricht, an Bedürftige kostenlose FFP2-Masken verteilen zu lassen. Fünf Stück pro Person. Fünf. Nun ja – immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Sofern die Masken auch wirklich bei den Menschen ankommen und nicht, wie die in großen Teilen noch immer nicht versandten Coupons der Krankenkassen, irgendwo im Behördensumpf versickern.

Der bayrische Weg ist theoretisch sinnvoll, praktisch aber nicht zu Ende gedacht. Menschen mit wenig Geld scheinen in den Überlegungen keine Rolle gespielt zu haben. In anderen Bundesländern sieht man das ähnlich: “Ich gehe davon aus, dass Niedersachsen eine Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske nur dann erwägen würde, wenn auch wirklich sichergestellt ist, dass alle Menschen in Niedersachsen kostenlosen Zugang zu einer solchen hätten”, heißt es vonseiten der niedersächsischen Landesregierung. Genau das ist der Knackpunkt.


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Author: Wiebke Tomescheit